Berichte: Unwettereinsatz Arnstorf
                   
am 01. Juni 2007

 

Vierstündiger Kampf gegen Wassermassen

Unwettereinsatz: 250 Feuerwehrleute an 36 neuralgischen Punkten gefordert - 40 Liter Regen pro Quadratmeter

Arnstorf (cm). „Einsatzort: Markt Arnstorf bis Kohlstorf; Schadensereignis: Unwetter mit Hagel, Gefahren für Tiere, Sachwerte, Umwelt; Entschluss: retten, begrenzen, beseitigen.“ Diese Eintragung weist der Einsatzbericht der Feuerwehrinspektion Rottal-Inn vom letzten Freitag auf.
Dahinter verbirgt sich der fast vierstündige Kampf von 250 Feuerwehrleuten aus 22 Wehren gegen die Sintflut, die Kanaldeckel aus der Verankerung hob, zahlreiche Keller, Höfe, Garagen, Wohnungen, einen Rinderstall und einen Serverraum überschwemmte und in Gärten Sumpf und Morast hinterließ. (wir berichteten in der Samstagsausgabe). An 36 neu- ralgischen Punkten waren die Einsatzkräfte gefordert. Allein bei der Eggenfeldener Polizei gingen 19 Notrufe ein.
Wegen totaler Verschlammung waren die Straße aus Richtung Simbach sowie in Richtung Mariakirchen bei Kohlstorf kurzzeitig vollständig gesperrt. Weil es „da hinten ziemlich böse“ ausschaute, hatte Bademeister Josef Zitzelsberger bereits gegen 17 Uhr das Freibad gesperrt. So um 18 Uhr war dann über Arnstorf bis Kohlstorf für zehn Minuten die Hölle los. Auf prasselnden Hagelschlag mit fingernagelgroßen Körnern, der die Kanaldeckel und Abläufe verstopfte, brachte ein Wolkenbruch 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Als schmutzig-braune Fluten überschwemmte das Regenwasser in rasender Schnelle einfach alles.
Der Krisenstab der Feuerwehr alarmierte deshalb immer wieder Einsatzkräfte nach, die mit Nasssaugern, Tauch- und so genannten Chiemseepumpen zu Hilfe eilten. 36 neuralgische Stellen sind im Einsatztagebuch verzeichnet, darunter der Hof der Familie Willinger in Kohlstorf. Hier standen 13 Rinder bis zum Bauch im Wasser. „Wir wollten gerade mit dem Melken beginnen, als das Wasser aus den Kanaldeckeln quoll und über den Garten in Hof, Keller und Stall schoss“, erzählte die Bäuerin am anderen Morgen.
 


Frühgeburt im Stall


Die Aufregung um eine zunächst vorgesehene Tierrettung bis zum Abpumpen der Fluten hielt aber nicht nur bis zum Melken gegen 22.30 Uhr an. Denn eine Kalbin war von der ganzen Sache so gestresst, dass sie noch während der Nacht und vor der Zeit ihren Nachwuchs zur Welt brachte.
„Die Frauen und Männer haben ganze Arbeit geleistet - gerade so ein Fall zeigt auf, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert und wie wichtig die Landfeuerwehren sind“, stellte Bürgermeister Alfons Sittinger fest. Obwohl für die betroffene Siedlungen Regenrückhaltemöglichkeiten vorhanden seien, müsse man sich Verbesserungen überlegen.
Sorge, dass ihnen für die Unterstützung durch die Feuerwehr eine Rechnung ins Haus flattert, braucht keiner der Geschädigten zu haben, „das ist höhere Gewalt, deshalb bleiben die Kosten bei der Wehr und somit bei der Gemeinde“, sagte der Bürgermeister dazu. Sittinger hatte sich telefonisch auf dem Laufenden gehalten und war gegen 20.30 Uhr ins Gerätehaus gekommen, um sich persönlich über die Lage zu informieren, die Feuerwehrleute mit Getränken zu versorgen und dann mit der inzwischen eingetroffenen Landrätin Bruni Mayer zu besonders kritischen Punkten zu fahren.
Neben der Sorge um Gesundheit, Hab und Gut hat das Unwetter aber auch positive Aspekte gebracht. „Hier hat sich der gute Zusammenhalt unter uns allen gezeigt“, freute sich am Samstag ein Anwohner des Aufhausener Weges, der sich gerade mühte, seinen Vorgarten wieder auf Vordermann zu bringen, im Gespräch mit dem Rottaler Anzeiger. „Ganz egal, ob türkisch oder deutsch, jeder hat jedem geholfen, wir sind von einem Haus zum anderen und um halb elf waren Wohnungen, Garagen und Keller wasserfrei.“
Im Unwettereinsatz
Gebildet wurde ein Krisenstab mit Männern der Stützpunktfeuerwehr Arnstorf, Kreisbrandrat Hans Wild, den Kreisbrandinspektoren Hans Prex und Georg Hochholzer sowie den Kreisbrandmeistern Helmut Schaitl, Theo Pichlmaier und Ludwig Schäfer. Im Einsatz waren die Feuerwehren Arnstorf, Mariakirchen, Mitterhausen, Hainberg, Jägerndorf, Ruppertskirchen, Obergrafendorf, Münchsdorf, Roßbach, Malgersdorf, Schmiedorf, Nöham, Altersham, Eggenfelden, Schönau, Johanniskirchen, Unterzeitlarn, Furth, Unterhöft, Eggenfelden, Simbach/Inn, Langgraben.
 

Rottaler Anzeiger vom 04.06.2007                     www.pnp.de
mit freundlicher Genehmigung: Bericht u. Bilder  von Christa Machtl

Alarmierung: 18:08 Uhr über Sirene und SMS
Einsatzende: ca. 21:15
Einsatzkräfte: ca. 20 Mann


Hausbewohner und Anlieger beseitigen eine Kies- und Lehmbank, die das Wasser angeschwemmt hat.


Sebastian garantiert: „So hoch schoss das Wasser durch die Rebenstraße!“
Unser Jugendfeuerwehrmann Sebastian


Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz: Franz Stadler beim Reinigen der Schläuche.